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FAQ Zubringer- und Anschlussflug

Ansprüche des Fluggastes bei mehreren Teilstrecken


1. Wann handelt es sich um einen Gesamtflug?

Grundsätzlich gilt, dass auch mehrere Flüge rechtlich einen Gesamtflug bilden können. Dies soll immer dann der Fall sein, wenn alle Flüge bei der selben Airline gebucht werden und es keine erhebliche zeitliche Zäsur zwischen den Teilstflügen gibt.


2. Müssen alle Teilstrecken-Flüge bei der selben Airline gebucht werden?

Grundsätzlich ja. Nun haben aber einige Airlines 100 %ige Tochterunternehmen, die zum Teil dann Flüge des Mutterkonzerns durchführen. In der Rechtsprechung ist umstritten, ob dann noch ein „Gesamtflug“ vorliegt. Diese Frage muss man im Zweifel im Einzelfall entscheiden. Wenn aber die Flugnummern sämtlich einer Airline zuzuordnen sind, spricht schon einmal sehr viel dafür, dass hier auch ein Gesamtflug anzunehmen ist.


3. Was ist eine erhebliche bzw. unerhebliche zeitliche Zäsur?

Vereinfacht gesagt ist alles, was keinen planmäßigen Aufenthalt im Rahmen einer Reise-Zwischenstation darstellt, eher eine Art Zwischenlandung. Wer sich also bewusst dafür entscheidet, in einer Stadt zu bleiben, um diese einen oder zwei Tage vor dem weiteren Flug hin zum Ziel anzuschauen, bei dem wird man eine zeitliche Zäsur annehmen. Wer in Dubai sieben Stunden auf den Weiterflug nach Java warten muss und in dieser Zeit shoppen geht, der macht das zwar auch freiwillig, nutzt aber letztlich nur die Wartezeit.  


4. Welche Probleme stellen sich bei mehreren Flügen?

Es kann Probleme mit dem Zubringerflug geben. Es kann Probleme mit dem Anschlussflug geben. Es kann aber auch Probleme mit beiden Flügen geben. Wir schauen uns das der Reihe nach an, wobei wir mit Problemen beim Anschlussflug anfangen wollen.


5. Anwendung der Regeln für Ausgleichsansprüche nach der FluggastrechteVO

Die Regeln für Betreuungsleistungen, Unterstützungsleistungen und Ausgleichsansprüche gelten auch hier und sind vollumfänglich übertragbar. Grundsätzlich ist jede Teilstrecke zunächst einmal gesondert zu betrachten. Erst später schauen wir uns Ausnahmen an, die diese Regel – jede Teilstrecke wird isoliert angeschaut – durchbrechen.


6. Wo ist der Gerichtsstand bei mehreren Teilstrecken eines Gesamtfluges?

Jeder Flughafen, an dem gestartet bzw. Gelandet wird, ist Erfüllungsort. Damit ist auch jedes Gericht an dem jeweiligen Flughafen örtlich zuständig. Der Fluggast kann wählen.


7. Zubringerflug ok - Anschlussflug massiv verspätet. Was nun?

Da der Zubringerflug in Ordnung war, ist nach der benannten Grundregel nur der Anschlussflug in Augenschein zu nehmen. Wenn dieser also mehr als drei Stunden zu spät am Ziel landet, gibt es je nach Distanz der Teilflugstrecke des Anschlussfluges € 250,00, € 400,00 oder € 600,00.


8. Zubringerflug massiv verspätet - Anschlussflug ok. Was nun?

Hier nun ist es umgekehrt. Wenn der Zubringerflug massiv verspätet landet, aber noch genug Zeit bleibt, um den Anschlussflug zu erwischen, ist lediglich der Zubringerflug nach den Regeln der FluggastrechteVO zu betrachten.


9. Zubringerflug leicht verspätet - Anschlussflug verpasst. Was nun?

Jetzt wird es spannend. Landet der Zubringerflug weniger als drei Stunden zu spät am Ziel, ist ein Ausgleichanspruch bei isolierter Betrachtung ausgeschlossen. Allerdings wirkt sich die leichte Verspätung des Zubringerfluges hier unmittelbar auf den Anschlussflug aus.

Daher rechnet man nun die Entfernungen zwischen den drei Flughäfen nach dem bekannten Modell der Großkreisentfernung zusammen (Beispiel: CGN-DUS-FRA) und ermittelt so die Entfernung der gesamten Strecke von Zubringerflug und Anschlussflug.

Der EuGH hat in diesem Zusammenhang entschieden, dass es auf die Verspätung am letzten Zielflughafen ankommt. Wenn die Gesamtstrecke bis zu 1.500 Km ausmacht, gibt es bei mehr als drei Stunden verspäteter Ankunft € 250,00 / einer einer Gesamtstrecke bis zu 3.500 Km € 400,00 und bei einer Strecke oberhalb von 3.500 Km € 600,00 pro Person an Ausgleichsansprüchen.


10. Ist das übertragbar auf Fälle der Annullierung und Nichtbeförderung?

Ja. Wir haben hier aus Gründen der Einfachheit in unseren Beispielen eine Flugverspätung genommen. Diese kann aber durch eine Annullierung oder Nichtbeförderung ersetzt werden. In diesen Fällen gibt es in er Regel ja eine Ersatzbeförderung. Und hier gelten dann wieder die selben Grundsätze - mehr als drei Stunden später als geplant am Ziel der Teilstrecke oder am letzten Ziel führt zu Ausgleichsansprüchen in Abhängigkeit zur Entfernung der Teilstrecke oder Gesamtstrecke.


11. Zubringerflug massiv verspätet und Anschlussflug massiv verspätet. Was nun?

Wenn man trotz des massiv verspäteten Zubringerfluges den Anschlussflug noch erwischt (weil dieser beispielsweise erst viel später fliegt) und dieser seinerseits ebenfalls massiv verspätet abfliegt, ist wieder jeder Flug getrennt zu betrachten. Hier würde man sowohl für den Zubringerflug, als auch für den Anschlussflug in Abhängigkeit zur jeweiligen Flugstreckendistanz jeweils Ausgleichsansprüche geltend machen können.


Zusammenfassung:

Wenn mehrere Flüge bei der selben Airline gebucht wurden und eine Einheit bilden, spricht man von einem Gesamtflug, der sich in Teilflüge unterteilt.

Bei aufkommenden Flugirritationen ist zunächst einmal jede Strecke isoliert zu betrachten.

Erst, wenn die Flugirritation einer Flugstrecke sich auf die Flugirritation einer weiteren Flugstrecke auswirkt, ist eine Gesamtbetrachtung vorzunehmen. Dann werden die einzelnen Strecken zusammengerechnet und hieraus ergibt sich, ob Ausgleichsansprüche bei einer verspäteten Ankunft am letzen Ziel drei Stunden (bis 3.500 Km) oder vier Stunden (mehr als 3.500 Km) betragen muss.

Sofern keine Verspätung, sondern eine Nichtbeförderung oder Annullierung vorliegt, gilt das Selbe. Alle Flugstrecken, die beanstandungsfrei verlaufen sind, werden nicht berücksichtigt. Problematische Teilstrecken werden betrachtet und bei mehreren Strecken zusammengerechnet.
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