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FAQ Fluggastrechte

Betreuungsleistungen - FAQ und Übersicht


Betreuungsleistungen sollen eine erste Versorgung des betroffenen Fluggastres während einer Flugirritation sicherstellen. Hierzu gehören im Wesentlichen die Versorgung mit Getränken und Verpflegung, die Kommunikation mit Angehörigen sowie erforderlichen Falles die Unterbringung in einem Hotel sowie der Transport dort hin und zurück zum Flughafen.


1. Verpflegung und Erfrischungen, Art. 9 I a) FluggastrechteVO

Passagiere haben  Anspruch auf Getränke und Verpflegung, wenn sie eine bestimmte Zeit am Flughafen gewartet haben. Die zumutbare Wartezeit richtet sich nach der Flugentfernung (Kurzstrecke 2 Stunden / Mittelstrecke 3 Stunden / Langstrecke 4 Stunden).

Grundsätzlich ist die Airline verpflichtet, Getränke und Mahlzeiten zu stellen. Sie kann aber auch Gutscheine verteilen. Sollte die Airline nicht reagieren, kann der Passagier auch selbstständig in Vorleistung gehen und die Kosten hierfür später zurück verlangen.

Wichtig ist, dass man die Quittung aufgebewahrt und die Höhe der Kosten „angemessen“ ist. Beträge von € 20,00 pro Mahlzeit und Person dürfen auch unter dem Gerichtspunkt, dass es am Flughafen in der Regel teurer ist, als anderen Ortes, nicht gegen die Schadensminderungspflicht des Passagiers verstossen. Im Einzelfall sind aber auch schon € 30,00 pro Mahlzeit von Gerichten bestätigt worden.


2. Kommunikation mit Angehörigen, Art. 9 II FluggastrechteVO

Jeder betroffene Fluggast hat das Recht, zwei mal mit seinen Angehörigen zu kommunizieren, wenn er sich einer Flugirritation ausgesetzt sieht. Die Airline ist dabei verpflichtet, ihm zwei Komminkationsmöglichkeiten seiner Wahl (Telefonat / Fax / Mail) zu gewähren.

Voraussetzung ist auch hier, dass die zumutbare Wartezeit eingehalten wurde. Die zumutbare Wartezeit richtet sich nach der Flugentfernung (Kurzstrecke 2 Stunden / Mittelstrecke 3 Stunden / Langstrecke 4 Stunden).

Stellt die Airline eine Kommunikationsmöglichkeit nicht her, sind die Kosten erstattungsfähig, müssen aber nachgewiesen werden.


3. Hotelunterkunft, Art. 9 I b) FluggastrechteVO

Sofern die Flugirritation einen Zeitumfang einnimmt, der eine Übernachtung erforderlichmacht, ist der Flugpassagier in einem Hotel unterzubringen.

Gegenstand gerichtlicher Entscheidungen war in der Vergangenheit, welche Qualität das Hotel haben durfte. Die meisten Gerichte sprechen hier unabhängig von der Qualität einer ggf. gebuchten Pauschalreise nur dasjenige zu, was notwendig ist, mithin ein „günstiges“ Hotel, welches durchschnittlichen Ansprüchen genügt. Stellt die Airline ein entsprechendes Hotel nicht, so sind die Kosten erstattungsfähig.

Hier kann im Einzelfall über vieles gestritten werden (wie lange muss nach einem „günstigen“ Hotel gesucht werden / muss eines am Flughafen genommen werden / kann ein Hotel genommen werden, wenn der alternative Flug um sechs Uhr am nächsten Morgen startet, etc.).

Wir meinen, erstattungsfähig ist, was notwendig ist. Notwendig ist ein sauberes Bett in Reichweite zum Flughafen. Es mag sein, dass am anderen Ende der Stadt ein günstigees Hotel in gleicher Qualität gebucht werden kann. Der Fluggast ist aber nicht verpflichtet, umfangreiche Recherchemaßnahmen durchzuführen.

4. Beförderung zwischen Hotel und Flughafen, Art. 9 I c) FluggastrechteVO

Sofern eine Übernachtung in einem Hotel notwendig wird, ist der Transport zum Hotel und wieder zurück zum Flughafen ebenfalls erstattungsfähig, sofern die Airline den Transport nicht selber organisiert.  

Auch hier kann man sich darüber streiten, ob eine Fahrt mit dem Bus, die vielleicht doppelt so lange dauert aber nur halb so teuer ist, wie ein Taxifahrt, vom Fluggast im Wege der Schadensminderungspflicht zu berücksichtigen ist.

Wir meinen auch hier, erstattungsfähig ist, was notwendig ist. Hierzu kann auch eine Fahrt mit dem Taxi zählen (bedenkt man, dass in der Regel nicht nur der Fluggast, sondern auch sein Gepäck in das Hotel und zurück verfrachtet werden muss), selbst wenn eine alternative Beförderung unter Umständen preisgünstiger sein könnte.


Zusammenfassung:

Es gibt eine Reihe von Betreuungsleistungen, die die Airline dem Fluggast anbieten muss, wenn es zu einer Flugirritration kommt. Dazu gehören neben der Versorgung mit Getränken und Verpflegung auch die Möglichkeit, Angehörige von der Flugirritation zu unterrichten und erforderlichen Falles die Hotelunterkunft nebst dem Transport vom Flughafen zum Hotel und zurück.

Bietet die Airline die Betreuungsleistungen nicht an, sind entsprechend angefallene Kosten, die aber nachgewiesen werden müssen, erstattungsfähig.
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